Genauere Begriffsbestimmung
und das Material der Musik
Musik ist gestaltete Zeit (im Gegensatz etwa zur bildenden
Kunst, die Raum gestaltet). Musik kann nur als Ablauf in der
Zeit erlebt werden. Aus diesem Grund setzt Musik beinahe
begriffsnotwendig eine rhythmische Ordnung ihres Rohmaterials
(Geräusche, Töne, Klänge) voraus. Außer durch Rhythmus kann
musikalisches Material durch Melodie (die Abfolge verschiedener
Tonhöhen), Harmonie (die Gleichzeitigkeit bestimmter Tonhöhen)
und Dynamik (die Abfolge der Lautstärke) organisiert sein. Diese
Kategorien werden musikalische Parameter genannt. In
Einzelfällen wird auch ein räumlicher Effekt, der dadurch
entsteht, dass jedes Instrument an einer Stelle erklingt und
somit (begrenzt) ortbar ist, gezielt eingesetzt, etwa in
mehrchöriger Musik mit entsprechender räumlicher Aufstellung der
einzelnen Gruppen.
Eine genaue Bestimmung, was Musik ist und was nicht, ist
schwierig. Die meisten Musiktheoretiker gehen davon aus, dass
Musik nur Musik ist, wenn sie absichtlich von Menschen als
solche gemacht wird. Abgesehen von Ausnahmen wie dem
gedankenverlorenen Vor-sich-hin-pfeifen, wird Musik meistens
auch für Menschen (Publikum) gemacht. Damit steht fast jede
Musik in einem bestimmten gesellschaftlichen Kontext und hat
einen konkreten Zweck. Sie wird zu einer bestimmten Zeit
(innerhalb der Geschichte) gemacht bzw. geschrieben und
orientiert sich an bestimmten Vorbildern (Traditionslinien
innerhalb der Musik)
Man kann auch der Meinung sein, das Musik nicht unbedingt als
solche gemacht, sondern nur von Menschen wahrgenommen werden
muss, um Musik zu sein: Vogelgesang, die Fahrgeräusche einer
Lokomotive und das Stimmen eines Instruments sind Grenzfälle,
die eine scharfe Abgrenzung von Musik und Nicht-Musik schwierig
machen. Schließlich haben avantgardistische Komponisten in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz bewusst die Grenzen
dessen, was Musik ist, gesprengt, indem sie darauf verzichteten,
Rhythmus, Harmonie, geschweige denn Melodie zu gestalten: z. B.
wurden mit dem Tonbandgerät aufgezeichnete Allerweltsgeräusche
in den Konzertsaal geholt, die Beschränkung auf tonale (Dur- und
Moll-)Systeme aufgegeben (Atonalität; Arnold Schönberg, Theodor
W. Adorno), musikalische Werke unter Zufallsbedingungen
hergestellt (Aleatorik) oder Stille als Musikstück deklariert
(John Cage).
Geschichte
Die Entwicklung der Musik kann in Epochen unterteilt werden,
die sich in der konventionellen Musikgeschichte an die Formen
der Bildenden Kunst und Architektur anlehnen (z.B. Musik der
Antike, Renaissancemusik, Barockmusik, Klassische Musik usw.);
neuere Forschungen bemühen sich jedoch, eine Historiographie zu
entwickeln, die weniger von den äußeren Rahmenbedingungen als
vielmehr der musikalischen Strukturen selbst ausgeht.
In der Chronologie der musikalischen Entwicklung können folgende
eurozentristische Abschnitte unterschieden werden:
Mittelalter - Musik vor dem 13. Jahrhundert, Musik des 13.
Jahrhunderts
Musik der Neuzeit - Musik des 14. und 15. Jahrhunderts, Musik
des 16. Jahrhunderts, Musik des 17. Jahrhunderts, Musik des 18.
Jahrhunderts, Musik des 19. Jahrhunderts
Musik der Moderne und Postmoderne - Musik des 20. Jahrhunderts
Anwendung
Während Musik oft als reine und zweckfreie Kunst angesehen wird,
ist ihre gezielte Nutzung weit verbreitet: Zum Beispiel zum
Wecken bestimmter Emotionen (z. B. Werbung, Filmmusik), zur
Verdeutlichung von Inhalten, die über ein anderes Medium (z. B.
Text, Stimme, Video/Animation) übermittelt werden, zu
therapeutischen Zwecken (Musiktherapie), u. v. m. Auch die
Kombination mit anderen Kunstformen ist in der Musik besonders
häufig, z.B. mit Lyrik (Lied, Oper, Popsong usw.) oder Tanz
(Ballett).
Aufgrund dieser kommunikativen Funktion bezeichnet man Musik
auch als eine universelle Sprache.
Musik kann entweder spontan entstehen (Improvisation), oder nach
schriftlich fixierten Aufzeichnungen ausgeübt werden
(Komposition, Notenschrift).
Musik und Mensch
Kulturhistorisch und bei der Entstehung der Säugetier-Art
Mensch (Evolution) spielen Musik und ihre Wahrnehmung durch Ohr,
Gehirn und die individuelle Rezeption im Sinne einer sofortigen,
unvermeidbaren Bewertung eine enorme Rolle. Musikgeschmack,
Musikvorlieben, musikalische Bildung haben alle hörenden
Menschen - sie sind sich nur nicht einig in der Bewertung. Diese
ist immer subjektiv und gleichzeitig ist sie kulturell geprägt
(musikalische Sozialisation).
Ob Musik zur Kommunikation vor der Sprachentwicklung oder beide
in einer wechselseitigen Beeinflussung stattfanden, wird sich
nicht mehr klären lassen. Aber Musik als Kommunikationsmitttel
ist weltweit verbreitet. Die Psychologie sagt, dass Musik
Emotionen transportiert aber auch Emotionen verändert.
Weiterhin interessant ist, dass der Musikgeschmack einer Person
erstaunlich gute Rückschlüsse über deren Persönlichkeit zulässt:
Forscher der renommierten Universität Cambridge haben in einer
2005 durchgeführten Studie festgestellt, dass Menschen nur
anhand der musikalischen Vorlieben ihres Gegenübers, intuitiv
und mit verblüffender Treffsicherheit viele Details von dessen
Charakter einzuschätzen vermögen. Häufig gelingt diese
Einschätzung besser als unter Zuhilfenahme von über Fotographien
oder Videoaufnahmen.
Wirkungen
Der Musik werden die unterschiedlichsten emotionalen und
psychologischen Wirkungen zugeschrieben; das Spektrum reicht von
der einer heilenden Wirkung (z. B. Musik von Bach und Mozart,
New Age-Musik) bis hin zu "destruktiven" Wirkungen (z. B. bei
Death Metal, Gothic, Musik von Schönberg), die durchaus
beabsichtigt sein können.
Bis heute konnten die Musikwissenschaft und ihre
Hilfsdisziplinen nicht abschließend klären, in welchem Grad
diese Wirkungen mit den kulturellen Rahmenbedingungen
zusammenhängen; so wurde durch die Verbreitung der Rockmusik
noch vor wenigen Jahrzehnten der Untergang des Abendlandes
befürchtet; andererseits weist die Medienwirkungsforschung
zumindest in speziell dispositionierten Fällen Wirkungen wie
Selbsttötungen nach. Allerdings sind auch diese
Forschungsergebnisse umstritten.
Auch Pflanzen und Tiere sollen auf Musik reagieren; bestimmter
Musik wird eine positive Wirkung auf das Wachstum von
Zimmerpflanzen nachgesagt; selbst in der Tierhaltung wird
gelegentlich Musik eingesetzt.
Vollkommen im Bereich der Spekulation liegt die Unterstellung
der universellen Verständlichkeit von Musik; so kommunizieren
Erdenbewohner in Steven Spielbergs Spielfilm Unheimliche
Begegnung der dritten Art mit außerirdischen Besuchern über
Tonfolgen und Klänge. Selbst die heutigen Raumsonden der NASA
und ESA enthalten Aufzeichnungen von Musik, die der
Verständigung mit außerirdischen Lebensformen behilflich sein
sollen (siehe Sounds of Earth).
Musikwissenschaft
Die Disziplinen der Musikwissenschaft behandeln mit
wissenschaftlicher Methodik die Entwicklung und Entstehung von
Musik (Musikgeschichte), ihre Komponisten, deren Werke und
Interpreten sowie die Musikinstrumente (Instrumentenkunde).
Weitere Forschungsrichtungen der Musikwissenschaft sind die
Musiktheorie, als Werkzeug der Analyse und als Kompositionskunde
(z.B. Harmonielehre), sowie die Musiksoziologie und
Musikpsychologie.
Musiktechnologie
Neben den Unternehmen der Medienindustrie übt auch die
Musiktechnologie zunehmenden Einfluss auf Hörgewohnheiten und
das Musikangebot aus. Für die Rezeption von aufgezeichneter
Musik sind Abspielgeräte (Tonbandgerät, Schallplattenspieler,
CD-Spieler, MP3-Player usw.) notwendig, die sich zunehmend an
den Möglichkeiten der Computertechnologie orientieren. Mit der
Einführung der Audio-CD begann die Digitalisierung der Musik;
durch das Aufzeichnungsformat MP3 wurde die psychoakustische
Kompression von Musik eingeführt, bei der solche Anteile aus
Musikdaten entfernt werden können, die für die Klangqualität als
weniger wichtig erachtet werden. Da damit die Gefahr von
unberechtigten Kopien (Raubkopien) heraufbeschworen wurde,
werden heute Audiodateien zusehends mit Hilfe von DRM Digital
Rights Management versehen, das nur eine feste Anzahl
autorisierter Kopien erlauben soll.
Mit der Einführung neuer Technologien wie z. B. der DVD-Audio
oder der SACD (Super Audio CD) ist die bis dato vorherrschende
Wiedergabe-Technologie im Ein-Kanal- (Mono) bzw.
Zwei-Kanal-Verfahren (Stereo) um mehrkanalige (im allgemeinen
Fünf-Kanal-, "Surround" genannte) Wiedergabemöglichkeiten
erweitert worden.
Der Einfluss der Technologie auf die Musik geht aber weit über
die Verfahren zur Speicherung und Wiedergabe von Musikstücken
hinaus. Wie seit jeher Instrumentenbauer die technischen
Möglichkeiten ihrer Zeit auf der Suche nach dem vollendeten
Klang auszuschöpfen suchten, so hat auch das 20. Jahrhundert die
Elektronik zur Schaffung neuer Musikinstrumente mit
eigenständigem Klangcharakter genutzt. Beispiele hierfür sind
u.a. die Elektrogitarre, die Hammondorgel oder der Synthesizer.
Des weiteren wird in modernen Produktionsstudios immer mehr auf
Computer zur Erstellung von Musik gesetzt. Wichtig sind hier
Systeme wie MIDI oder Software Synthesizer, mit denen ganze
Orchester imitiert werden können.
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